A. L. Correa: Das Erbe der Rosenthals – Rezension

Hannah ist noch ein junges Mädchen, als ihre Familie aus Berlin flieht. Schweren Herzens verlassen die Rosenthals ihre Heimat, doch es geht nicht anders. Zu demütigend und angsteinflößend ist das junge Hitlerdeutschland, zu sehr haben die Rosenthals Angst vor einer Verhaftung und weiteren öffentlichen Demütigungen. Einst war Hannahs Vater der angesehenste Professor der Universität, doch heute verlässt er kaum noch das Haus. Ihre Mutter, die früher sehr viel Einfluss hatte und deren Meinung in der Berliner Oberschicht viel wert war, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Auch Hannah bekommt die neue antisemitische Einstellung am eigenen Leib zu spüren. Als Hannahs Vater schließlich verhaftet wird, organisiert Hannahs Mutter die Flucht nach Kuba. Nur weil der Name Rosenthal als wohlhabend gilt, wird Hannahs Vater wieder frei gelassen und er kann mit seiner Frau und seiner Tochter fliehen. Zusammen gehen sie an Bord der St. Louis, deren Ziel der Hafen von Havanna in Kuba ist. Doch was auf der St. Louis geschieht, wird Hannah in ihrem ganzen Leben nicht vergessen können.

Anna wohnt alleine mit ihrer Mutter in Manhattan. Ihr Vater ist vor ihrer Geburt am 11.9.2001 beim Einsturz der Twin Towers ums Leben gekommen, sie hat ihn also nie kennen gelernt. Trotzdem spielt ihr Vater Louis eine große Rolle in ihrem Leben und sie fühlt sich sehr mit ihm verbunden. Als Anna einen Brief von ihrer Großtante Hannah aus Kuba mit alten Fotos und einer alten Zeitschrift bekommt, beschließt sie der Sache auf den Grund zu gehen und die Vergangenheit ihres Vaters besser kennen zu lernen. Dort trifft sie schließlich auch auf Hannah und erfährt die erschütternde Wahrheit über die Vergangenheit ihrer Familie…

In dem Buch begleitet man Hannah und Anna auf verschiedenen Zeitebenen. Am Anfang dachte Ich, es würde mich sehr verwirren, da die beiden Protagonisten so ähnliche Namen haben, aber es fiel mir erstaunlich leicht, die beiden auseinander zu halten. Der Roman ist ein sehr berührendes und eindrucksvolles Familiendrama, dass sowohl die Auswirkungen des Holocaust bzw. des Antisemitismus in Deutschland zur Zeit Hitlers beeindruckend verbildlicht, sondern auch die Folgen des Anschlags am 11. September 2001 für die Familien der Betroffenen gut darstellt. Man sieht anhand verschiedener Personen, wie man mit einem solchen Schicksal umgehen kann, man erlebt verschiedene Reaktionen, Abneigung und Ablehnung von den Betroffenen.

Das Zusammentreffen von Hannah und Anna war sehr emotional, wie auch eigentlich das ganze Buch. Es hat mich sehr bewegt und auch sehr zum Nachdenken angeregt. Das Buch ist meiner Meinung nach keine leichte Lektüre, es dient sowohl zur Aufarbeitung des Antisemitismus und des Terrors in den USA am 11. September, als auch zur Aufarbeitung der Geschehnissen bezüglich des Schiffes St. Louis und den Schicksalen der Mitreisenden auf dem Schiff.

Das Buch beinhaltet auch sehr interessantes Material zu den Passagieren der St. Louis, was das Lesen dieses Buches meiner Meinung nach noch einmal sehr schön abgerundet hat.

Meine Meinung: 4,5/5

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s